Warum fehlen überall Servicekräfte?

Nahezu 70% der in Deutschland lebenden Menschen sind geimpft. Die Gastronomie hat wieder eröffnet, nur leider haben die Gastronomen mit einem riesigen Servicekräftemangel zu kämpfen, insbesondere auf dem Land.

Wissenswertes

Wo sind sie hin und was sind die Gründe?

Das ist eine gute Frage. Diese Frage haben wir Gastronomen gestellt und die Antworten waren immer sehr ähnlich. Kurz und knapp kann man sagen, dass aufgrund von Corona und der Kurzarbeit die Servicekräfte in sicherere Arbeitsfelder sich umorientiert haben.

1. Kurzarbeit und Mindestlohn

Die Gastronomie hat seit je her in der Regel lediglich den Mindestlohn ausgezahlt, was ca. 1.500 € brutto pro Monat sind. Das klingt zunächst nicht besonders gut, jedoch war der Job im Service deshalb attraktiv, weil aufgrund von Trinkgeldern das Monatsgehalt teilweise fast verdoppelt werden konnte.

Aufgrund von Corona wurde den Servicekräften die in Kurzarbeit gingen nur noch 60% des Bruttolohns also umgerechnet 900 € bezahlt. Das ist für viele hauptberufliche Servicekräfte, welche mit festen Trinkgeldeinnahmen rechnen daher doppelt schlecht.

Daher wechseln nun viele Servicekräfte wegen finanzieller Sicherheit in andere Bereiche.

2. Ausbildung

Immer mehr Heranwachsende studieren mittlerweile, jedoch will der Beruf der Servicekraft grundsätzlich gelernt sein, d.h. eine Ausbildung muss in diesem Berufsfeld absolviert worden sein.

Besonders beliebt ist die Ausbildung zur Servicekraft jedoch nicht mehr, da die Bezahlung wie bereits geschrieben, in den meisten Fällen zu wünschen übrig lässt und man zusätzlich noch eine sehr stressige Arbeit hat. Servicekräfte können sich kaum Urlaub erlauben, da sie auf Trinkgelder angewiesen sind und arbeiten immer dann, wenn andere gerade frei haben.

Das führt dazu, dass in der Regel ungelernte Kräfte im Service arbeiten und diese oftmals mit der Belastung im Alltag nicht zu recht kommen. Die guten, ungelernten Kräfte hingegen sind oft Mangelware. Noch seltener sind gelernte Servicekräfte, welche oft in großen Hotelketten und gut laufenden Restaurants arbeiten.

Im Ergebnis besteht daher insbesondere auf dem Land ein Mangel an Arbeitskräften im Servicebereich. Jeder Gastronom den wir befragen, berichtet das.

3. Aufwand und Ertrag

Aufwand und Ertrag steht bei Servicekräften oftmals nicht im Verhältnis. Servicekräfte arbeiten in der Regel an die 12 Stunden am Tag, immer wenn andere ihre Freizeit genießen und kriegen dafür zu wenig Gehalt.

Das treibt selbige in Branchen die für weniger Aufwand einen besseren Ertrag liefern, wie z.B. Amazon. Amazon bezahlt laut aboutamazon.de je nach Standort zwischen 11,30 € und 12,70 € pro Stunde. Nach 12 und 24 Monaten steigt der Lohn automatisch. Das führt dazu, dass der durchschnittliche Mitarbeiter bei Amazon 2.600 € brutto pro Monat verdient.

Das sind zwar 1.100 € brutto mehr im Monat als im Service, man hat feste Arbeitszeiten und auch frei, wenn andere frei haben wie z.B. an Weihnachten, am Wochenende usw. Nicht eingerechnet ist hier das Trinkgeld, dass jede Servicekraft noch bekommt. Dieses ist jedoch variabel und nicht beständig.

Autor: Franz Böhmer

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